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Im übrigen ...

... bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss !" ("Ceterum Censeo, Carthaginem esse delendam") wird dem römischen Konsul Cato Censorius zugeschriebenen.
In den Geschichtsbüchern liest man auch "Hoc censeo, et Carthaginem esse delendam" -  "Außerdem beantrage ich, auch Karthago zu zerstören".

Wie immer es damals formuliert war: "Ceterum Censeo" kann man heute übersetzen mit "Was ich noch zu sagen hätte..."

 

 
     
     
 

Signale aus dem Neandertal

Die, die es haben, nennen es gern 'Ausstrahlung', 'Charisma' oder auch 'Chemie'. Und das ist gut für die Karriere. Offenbar sogar besser als Fleiß oder Engagement. 

Dies Erfolgsgeheimis hat auch nur wenig mit Kompetenz, Eloquenz oder persönlicher Präsenz zu tun, sondern mit Attraktivität. Das zeigen Langzeitstudien, die seit den 80ern regelmäßig Führungskräfte befragten, wie groß diese den Einfluss ihrer äußeren Erscheinung auf ihre Karriere bewerteten.

Ergebnis: Stuften 1986 noch rund fünf Prozent die äußere Erscheinung als 'wichtig' ein, so maßen im Schnitt 27% der Befragten 2003 ihrer Attraktivität eine sogar größere Bedeutung zu als den berühmten 'guten Beziehungen'.

Und Schönheit spielt schön früh im Leben eine Rolle: Niedliche Babys bekommen mehr Aufmerksamkeit, hübsche Kinder die besseren Schulnoten. Das steigert das Selbstbewusstsein, macht Mut und beide zusammen sind die Ingredienzien von 'Überzeugungskraft'. Schöne Menschen finden später schneller einen Job, verdienen gar bei gleicher Qualifikation bis zu fünf Prozent mehr als durchschnittlich attraktive Kollegen. 

Allerdings: sogar von anderen als 'sehr attraktiv' eingeschätzte Menschen halten sich selbst oft für 'mäßig gutaussehend'. 

Moment mal, sagen Sie jetzt zu recht: Was ist eigentlich "schön"? Ist das nicht subjektiv? Antwort: nicht ganz, bzw. (sehr diplomatisch) "Es kommt darauf an". Auf den Blickwinkel. Und der ist bei näherem Besehen der Materie erstaunlich von gestern. Nämlich aus archaischen Zeiten.

Attraktiv bedeutete im Neandertal einfach körperliche Gesundheit. Intellekt und Leistungsfähigkeit hängen von dieser Gesundheit ab; wer hungert, kann nicht klar denken, wer krank ist, keine Bäume ausreißen (um sie zu einem Floß zu verarbeiten und damit die Weltmeere zu erobern). 

Wer gesund ist, ist schlank, hat eine glatte, rosige Haut und symmetrische Gesichtszüge. Diese weisen beim Mann auf einen insgesamt symmetrischen Körperbau hin - und der ist u.U. wichtig für eine ungestörte Spermienproduktion. Bei Männern gilt zudem ein Verhältnis von Taille zu Hüfte zwischen 0,9 und 1,0 als 'schön', weil es einen hohen Testosteronspiegel impliziert - und damit sexuelle Potenz und körperliche Stärke; bei Frauen  signalisiert der Idealwert von 0,7 (Taille 70 cm, Hüfte 100 cm) Fruchtbarkeit. So einfach ist das. 

Und es wird noch archaischer:  ein markantes Kinn, breite Schultern, kräftige Augenbrauen oder eine eckige Stirn (alles nützliche Voraussetzungen, um erfolgreich ein Mammut zu erlegen) signalisieren Männlichkeit - Menschen mit solchem Aussehen werden im Job die größeren Führungsqualitäten zugesprochen. Das gilt für Menschen beider Geschlechter!

Haare (sogar deren Farbe) spielen darüber hinaus eine wichtige Rolle. Bei Männern wie Frauen wurde "Braun" als 'attraktivste' Farbe eingestuft, gefolgt von Schwarz, Blond und ganz zuletzt Rot. Aber sogar Rot ist offenbar immer noch besser als gar keine Haare zu haben. Bewerber mit Halbglatze oder gar Glatze werden angeblich seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen ...

Sie haben ja recht: wir leben nicht mehr in Vorzeiten und natürlich sind Haarwuchs und Körperkraft eigentlich keine statthaften Auswahlkriterien für eine Führungspersönlichkeit. Aber es macht einfach mehr Eindruck, wenn ein Hüne auf den Tisch haut (und dieser gar erzittert), als wenn das Machtwort von einem schmächtigen blonden Mädchen käme. So einfach sind wir (zu beeindrucken).

Zum Trost und Schluß noch ein paar Gedanken zum (Selbstbewußtsein) Auftanken für all jene, die sich nicht für 'schön'  halten - und das sind (s.o.) ja eigentlich alle:

1. "Schönheit vergeht" wußte schon die Großmutter - und dann bricht die Zeit derer an, die eine Persönlichkeit entwickelt haben, statt sich auf ihren Taillen/Hüft-Quotienten zu verlassen.

2. Wem es an äußeren Vorzügen mangelt, der kann dies durch eine der oben bereits erwähnten "-enzen" ausgleichen. Gerade im Job kann Kompetenz nie schaden, wer den Augenaufschlag nicht beherrscht, bringt mit Wortwitz vielleicht andere zum Lachen und wer anderen zuhört und stabile Beziehungen knüpft, wird eher zu Geburtstagen eingeladen als der 'Schöne', von dem ohnehin (oft zu Unrecht) jeder glaubt, er tanze auf allen Hochzeiten. Denn dem Adonis fehlen laut Umfrage eher Eigenschaften wie 'Verlässlichkeit', 'Warmherzigkeit', 'Interesse am Anderen'...

3. "Der Mensch reift durch Leiden". Auch das zunächst ein Großmutter-Spruch. Lebenspraktisch umgesetzt heißt das: wer sich früh seine 'inneren Werte' bewußt machen muss, weil er vielleicht mit äußerlicher Attraktivität nicht sofort Punkte macht, kann ein Selbstbewußtsein entwickeln, das unabhängig ist von aller Rückmeldung durch die Außenwelt. Das nennt man dann "Echte Souveränität".

Danke fürs Reinschauen. Herzliche Grüße -

Ihre

AWD

 

[Vielen Dank Frau Prof. Dr. Sonja Bischoff, HH, für Ihren spannenden und kurzweiligen Vortrag zum Thema, den ich hören durfte.]